Unter den Kennern der Pilgerwege gelten die Abschnitte im Limousin als besonders empfehlenswert weil die Region naturbelassen ist und zur Besinnung einlädt. Alle Pilgerwege sind übersäht mit historischen und religiösen Sehenswürdigkeiten des Mittelalters in idyllischen Dörfern und kleinen Städten von wunderbaren Landschaften umgeben, die bisher vom Massentourismus verschont wurden. 1998 hat die UNESCO die „Jakobswege in Frankreich“ als Weltkuturerbe gekennzeichnet.

Via Lemovicensis

Das Limousin entwickelte sich entlang alter Handelsrouten - von Nord nach Süd und Ost nach West. Diese Routen wurden von Kriegern, Rittern, Händlern, Handwerkern und Mönchen und Pilgern genutzt.

Saint-Martial war der erste Bischof von Limoges. Er stammte aus dem Orient und auch er kam, vom Papst gesandt, wahrscheinlich Mitte des 3. Jh. auf der Römerstraße über Bourges nach Limoges. Nach seinem Tod zog seine Grabkapelle die Pilger an und 848 wurde die Abtei Saint-Martial daneben begründet. Die Klosterkirche, die während der Französischen Revolution als Steinbruch freigegeben wurde, entwickelte sich zu einem der wichtigsten Pilgerorte des französischen Christentums im Mittelalter. Es wurden zahlreiche weitere Kirchen und Klöster in Limoges und Umgebung gebaut und immer mehr Menschen siedelten sich in der Stadt und in der Region an. Die Stadt Limoges - damals auch «La Sainte» (die Heilige) genannt - entwickelte sich prächtig. Archäologische Funde im Jahre 1960 unter dem Place de la Republique zeigen die Grabstelle von Saint-Martial - einen Sarkophag und einen weiteren, den der Sainte-Valérie.

So wurden Limoges und das Limousin ab dem 12. Jh. zu einer wichtigen Etappe für Wallfahrer auf dem Weg nach Santiago de Compostela und die Region gab dem zweiten der insgesamt vier Jakobswege in Frankreich ihren Namen : Via Lemovicensis.

Der Weg durch das « Land der Heiligen » wurde bereits 1139 in Pilgerführern erwähnt und ist somit eine der ersten Kulturstraßen Europas.

Beginn der Via Lemovicensisist Vézelay in Burgund mit seiner Abtei de la Madeleine.

Auf seinem ersten Stück hat dieser Jakobsweg zwei Varianten. Beide vereinigen sich in Gargilesse-Dampierre, nördlich von Crozant, an der Creuse – im Limousin.

Von dort führt die Via Lemovicensis südwestlich durch Saint-Léonard-de-Noblat und Limoges ins benachbarte Département Dordogne nach Périgueux. In Spanien laufen die vier, aus Frankreich kommenden Hauptstrecken zu einem einzigen Weg, dem Camino Francès, zusammen.

La Voie de Rocamadour

Schon im 10. Jh. wurde Rocamadour, das auf einer Nebenstrecke der Via Podiensisliegt als Wallfahrtsort erwähnt. Der Ursprung dieser Nebenstrecke des Jacobwegs durch das Limousin geht wohl auf Ebles de Turenne, Abt des Klosters Saint-Martin in Tulle, zurück. Rocamadour gehörte damals zum Bistum von Tulle und 1112 verlegte der Abt seine Residenz nach Rocamadour. Der Ort hat seinen Namen vom Einsiedler Amadour, der dort einst am Fuße der Felsen lebte.

Der nachfolgende Abt Géraud d'Escorailles begann mit dem Bau der sieben Gotteshäuser, die er durch die Spenden der Pilger finanzierte. Um den Weg nach Rocamadour für die Pilger zu erleichtern, wurde die Verbindungsstrecke zur Via Lemovicensis entwickelt. Die Wallfahrt zur schwarzen Mutter Gottes (eine Marienstatue, 12. Jh.) wurde im Mittelalter sehr beliebt.

Über die grosse Treppe zur «heiligen Stadt», die von den Pilgern im Mittelalter auf den Knien erklommen wurde, erreicht man die Marienkapelle «Notre Dame de Rocamadour» mit der schwarzen Marienstatue. Darunter befindet sich die Krypta des heiligen Amadour.

Von La Souterraine aus, das am Jakobspilgerweg Via Lemovicensisliegt, führt die Strecke nach Bénévent-L'Abbaye. Die Abtei des Ortes ist Ausgangsort für den Pilgerweg La Voie de Rocamadour durch weitere atemberaubende Landschaften des Limousin. Der Pilger kommt durch die romantischen Orte Bourganeuf, Peyrat-Le-Château, Eymoutiers, Treignac nach Tulle. Dabei durchquert er das einsame Plateau de Millevaches mit seiner bewaldeten Region Les Monédières. Von Tulle aus geht es über Aubazine und durch das mittelalterliche, aus rotem Sandstein gebaute Collonges-La-Rouge nach Turenne, weiter durch das Tal der Dordogne nach Martel und schließlich nach Rocamadour.